Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Lauf. Elegant war er nicht. In der Schule wurde mir eingeredet, ich sei nicht für das Dauerlaufen gemacht. Zu langsam, zu wenig Ausdauer. Eher der Schnellkraftsportler. Solche Sätze bekommen Kinder oft schon früh eingeredet. Aber irgendwann habe ich beschlossen, das selbst herauszufinden. Ohne Plan. Ohne großes Wissen. Nur mit Neugier.
Und dann kam etwas, das ich nicht erwartet hatte. Freude. Mit jedem Kilometer wurde es mehr. Schon damals war nicht die Geschwindigkeit entscheidend, sondern das Gefühl. Dieses ruhige, gleichmäßige Vorwärtskommen. Dieses Bei sich sein.
Das war vor über 30 Jahren. Ich laufe immer noch.
Was sich verändert hat, und was nicht
Mein Laufen heute ist ein anderes als mit 30. Ich brauche längere Aufwärmphasen. Die Regeneration dauert zwei Tage statt einen. Meine alten Bestzeiten liegen so weit weg, dass ich sie kaum noch als meine eigenen erkenne. Aber das ist mir egal. Denn die Bestzeit, die wirklich zählt, ist nicht die auf der Uhr. Sie misst sich in Laufjahren. Und diese Uhr läuft noch.
Genau darum geht es in meinem neuen Buch. Es heißt "Long Run. Dem Alter davonlaufen". Es geht nicht darum, jung zu bleiben. Es geht darum, dranzubleiben.
Die Überzeugung, die alles trägt
Es gibt einen Satz, den ich seit Jahren wiederhole. Für mich ist er die größte Wahrheit meines Laufens.
Wir hören nicht mit dem Laufen auf, weil wir alt werden. Wir werden alt, weil wir mit dem Laufen aufhören.
Das klingt nach einer Floskel. Ist es aber nicht. Es ist das, was ich in über 20 Jahren als Trainer immer wieder gesehen habe. Ich habe Läuferinnen und Läufer erlebt, die mit 60 ihren ersten Halbmarathon gelaufen sind. Ich habe eine Frau erlebt, die nach einer schweren Krankheit 30 Kilo abgenommen hat. Sie weinte vor Glück, als sie zum ersten Mal fünf Kilometer am Stück durchlief. Diese Momente machen mich nicht nur stolz als Trainer. Sie erinnern mich daran, warum ich das hier mache.
Ich habe aber auch das andere gesehen. Menschen, die aufhören. Nicht schlagartig. Schleichend. Die Energie lässt nach. Die Haltung wird schwerer. Das Lächeln seltener. Der Körper baut ab, wenn man ihn nicht mehr fordert. Still und unaufhaltsam.
Ich habe mir geschworen, dass mir das nicht passiert. Nicht, solange ich einen Fuß vor den anderen setzen kann.
Mit 60 läuft man nicht schlechter. Man läuft klüger.
Mein Buch ist kein strenger Trainingsplan. Es ist auch keine Anti-Aging-Anleitung. Es ist ein ehrlicher Begleiter für alle, die das Laufen nicht aufgeben wollen. Und für alle, die glauben, sie hätten es bereits aufgeben müssen.
Der Körper mit 60 ist nicht der Körper mit 30. Aber er ist auch kein fremder Körper. Es ist derselbe Körper, der dich durch Jahrzehnte getragen hat, der getragen hat, was das Leben mitbrachte. Er funktioniert nur ehrlicher als früher. Er sagt dir sofort, wenn er genug hat. Und wenn du auf ihn hörst, gibt er dir zurück, was du investierst. Manchmal überraschend großzügig.
In "Long Run" zeige ich, was sich mit den Jahren wirklich verändert. Und wie man genau darauf reagiert.
Ich erkläre, warum Kraft und Mobilität im Alter keine Nebensache mehr sind. Sie sind die stillen Retter deines Laufens. Wer regelmäßig Kraft trainiert, schützt seine Gelenke und läuft länger beschwerdefrei. Wer Mobilität pflegt, bleibt geschmeidig, wo sich sonst Steifheit einschleicht.
Ich zeige, wie Regeneration zum eigentlichen Training wird, nicht zur Pause davon. Guter Schlaf, aktive Erholung und die richtige Ernährung entscheiden oft mehr über deinen Fortschritt als der nächste harte Lauf.
Ich erkläre, warum man jede persönliche Verletzungsbiografie nicht als Niederlage lesen sollte, sondern als Wegweiser. Das eine Knie, das seit Jahren Probleme macht. Der untere Rücken, der an jahrzehntelanges Sitzen erinnert. Das sind keine Gründe aufzuhören. Das sind Hinweise für dein Training.
Und ich zeige, warum gemeinsames Laufen oft die klügste Trainingsform überhaupt ist. Eine feste Laufgruppe schafft Verbindlichkeit. Und wer beim Laufen redet, läuft automatisch im richtigen Tempo.
Warum ich dieses Buch genau jetzt geschrieben habe
Ich kenne die Biologie. Ich weiß, dass Muskeln schwinden. Ich weiß, dass Sehnen steifer werden. Ich weiß, dass irgendwann ein Tag kommt, an dem es wirklich nicht mehr geht. Aber dieser Tag ist nicht heute. Und er ist nicht morgen.
Solange er nicht da ist, will ich jeden Lauf genießen wie ein Geschenk. Jeder Kilometer ist eine Einzahlung auf ein Konto, von dem ich noch jahrzehntelang leben will.
Genau dieses Gefühl möchte ich mit "Long Run" weitergeben. Nicht als Theorie. Sondern aus 30 Jahren eigener Laufpraxis und unzähligen Stunden mit Läuferinnen und Läufern, die alle Phasen des Alterns am eigenen Leib erlebt haben. Die Wissenschaft liefert dabei das Tüpfelchen auf dem i. Sie erklärt und bestätigt, was wir auf der Laufstrecke längst spüren.
Dieses Buch soll Mut machen. Es soll Orientierung geben. Und vor allem eines zeigen. Es ist nie zu spät, mit dem Laufen zu beginnen. Und es lohnt sich immer, dranzubleiben. Denn am Ende geht es nicht darum, perfekt zu laufen. Es geht darum, überhaupt zu laufen.
"Long Run. Dem Alter davonlaufen" ist ab jetzt erhältlich.
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Wir sehen uns auf der Strecke. Schritt für Schritt. Kilometer für Kilometer.